1. Gesprächskategorie wählen
Beginnen Sie mit der Lage im Gespräch: Tumorart, Symptomlast, Therapieentscheidung, Zugangslücke, Alltag/Nachsorge oder KI- und Internetfragen.
Ressource · Stand 5. Juni 2026
Ein Praxisnavigator für psychoonkologisch Tätige: nach Patient:innenbedarf suchen, digitale Angebote fachlich einordnen und Shared Decision Making konkret vorbereiten.
So nutzen Sie die Seite
Die Seite ist für Situationen gebaut, in denen psychoonkologisch Tätige schnell und sauber prüfen möchten: Gibt es ein digitales Angebot, das dieser Person jetzt helfen kann? Und wie spreche ich es an, ohne falsche Sicherheit oder zusätzlichen Druck zu erzeugen?
Beginnen Sie mit der Lage im Gespräch: Tumorart, Symptomlast, Therapieentscheidung, Zugangslücke, Alltag/Nachsorge oder KI- und Internetfragen.
Die Unterpunkte nennen erste Angebote, Alternativen und seriöse Quellen. Sie sind eine fachliche Vorauswahl, keine Empfehlung ohne Einzelfallprüfung.
Der psychoonkologische Mehrwert entsteht, wenn aus einer App, Entscheidungshilfe oder KI-Antwort eine klärende Frage für das nächste Gespräch wird.
Bedarfsfinder
Wählen Sie zuerst die Gesprächslage. Die sechs Kategorien decken nicht jede denkbare Konstellation vollständig ab, aber sie sortieren die häufigsten Suchrichtungen in der psychoonkologischen Praxis.
Diese Kategorie verhindert den häufigsten Fehler: von einem bekannten Produkt auf alle Patient:innen zu schließen. Erst prüfen, ob die Tumorart wirklich zur digitalen Option passt.
Eine Brustkrebspatientin ist belastet, will selbst etwas tun und sucht Struktur für Bewegung, Ernährung, Nebenwirkungen, mentale Stabilität oder Alltag.
Ein Patient nach Prostatektomie erlebt Kontrollverlust, Harninkontinenz, erektile Dysfunktion, Rückzug oder Unsicherheit im Kontakt mit Partner:in.
Die Patient:in hat Darmkrebs, Lungenkrebs, gynäkologischen Krebs, ein Lymphom, eine seltene Tumorart oder eine andere Diagnose ohne passendes spezifisches Angebot.
Hier geht es um digitale Unterstützung als dosierbare Ergänzung zur psychoonkologischen Arbeit. Entscheidend ist, ob die Patient:in durch Struktur entlastet oder durch Aufgaben zusätzlich belastet wird.
Die Patient:in beschreibt Erschöpfung, Aktivitätsverlust, Frustration oder Angst, nie wieder belastbar zu werden.
Die Patient:in braucht Orientierung, Beruhigung, Übungsmaterial oder eine Brücke bis zur persönlichen Versorgung.
Shared Decision Making ist hier der Kern. Digitale Entscheidungshilfen liefern Struktur; Psychoonkologie hilft, dass die Struktur innerlich nutzbar wird.
Die Patient:in versteht die Optionen nur teilweise oder wirkt zwischen ärztlicher Empfehlung, Familie und eigener Angst zerrieben.
Die Patient:in schwankt, weil Familie, Behandler:innen oder eigene innere Anteile verschiedene Prioritäten setzen.
Diese Kategorie hilft beim Lotsen: Was kann online sinnvoll überbrücken, und wo braucht es persönliche Versorgung, Krisenstruktur oder regionale Anbindung?
Die Patient:in braucht eine Ansprechperson, aber lokale Termine, Mobilität oder Wohnort machen den Zugang schwer.
Viele digitale Angebote sind hier nicht Therapie, sondern Strukturgeber. Psychoonkologisch wichtig ist, ob sie Autonomie, Beziehung und Würde stärken.
Die Patient:in möchte Nebenwirkungen, Aktivität, Schlaf, Ernährung, Stimmung oder Termine besser ordnen.
Scham, verändertes Körpererleben, sexuelle Funktionsstörungen oder Rückzug stehen im Vordergrund.
Diese Kategorie ist keine KI-Empfehlung. Sie hilft, digitale Antworten psychoonkologisch zu besprechen: würdigend, kritisch, datensensibel und mit Rückbindung an das Behandlungsteam.
Die KI hat beruhigt, verunsichert, eine Therapie nahegelegt oder eine Prognose formuliert. Die Patient:in sucht Einordnung.
Angebote und Quellen
Eine Ressourcenseite wird erst nützlich, wenn sie Quellen und Anbieter trennt. Deshalb stehen hier offizielle Verzeichnisse, Fachquellen, Entscheidungshilfen und einzelne Angebote nebeneinander, aber nicht auf derselben Evidenzstufe.
Offizieller Status
Aktuelle Prüfung, ob ein Angebot als DiGA gelistet ist und welche Indikation beschrieben wird.
Vor jeder konkreten Weitergabe öffnen; Anbieterangaben dagegenhalten.
Quelle öffnenFachgesellschaftliche Übersicht
Einordnung digitaler Anwendungen in der Psychoonkologie und Orientierung für Fachpersonen.
Als fachliche Startquelle nutzen, nicht als Ersatz für aktuelle Statusprüfung.
Quelle öffnenBrustkrebs-DiGA
Brustkrebspatient:innen mit Bedarf an Lebensstil-, Belastungs- und Nebenwirkungsmanagement.
Verordnungsstatus aktuell im BfArM-Verzeichnis prüfen.
Quelle öffnenFatigue-DiGA
Krebsbedingte Fatigue, insbesondere wenn Patient:innen zwischen Terminen strukturierte Übungen brauchen.
Verordnung und Indikation aktuell im BfArM-Verzeichnis prüfen.
Quelle öffnenProstatakrebs-DiGA
Kontinenz, erektile Funktion und Training rund um Prostatektomie; psychoonkologisch relevant über Körperbild und Scham.
Status, Anwendungszeitpunkt und Verordnungseinheit prüfen.
Quelle öffnenHybride psychoonkologische Begleitung
Krebspatient:innen mit emotionaler Belastung, die digitale Inhalte und persönliche Begleitung kombinieren möchten.
Erstattung über teilnehmende Krankenkassen und Ausschlusskriterien prüfen.
Quelle öffnenDigitale Therapiebegleitung
Breitere digitale Unterstützung bei Krebs, Information, Selbstmanagement, Belastung, Fatigue und Therapiebegleitung.
Aktuellen deutschen DiGA- und Erstattungsstatus vor Weitergabe prüfen.
Quelle öffnenDigitales Brustkrebs-Angebot
Brustkrebspatientinnen nach abgeschlossener Erstbehandlung; psychologisches Wohlbefinden, Ernährung, Bewegung, Schlaf.
Aktuelle Anbieterangaben und offiziellen Erstattungsstatus sorgfältig gegenprüfen.
Quelle öffnenOnline-Psychoonkologie
Zeitnaher Zugang zu psychoonkologischer Online-Beratung, wenn vor Ort keine schnelle Versorgung erreichbar ist.
Kosten, Qualifikation, Krisenwege und therapeutische Zuständigkeit prüfen.
Quelle öffnenEntscheidungshilfen / SDM
Patient:innen vor präferenzsensitiven medizinischen Entscheidungen.
Passende Entscheidungshilfe nach Tumorentität und Entscheidungssituation auswählen.
Quelle öffnenShared Decision Making
Schneller Einstieg in onkologische Entscheidungshilfen und SDM-Angebote in Bayern.
Vor allem für Therapieentscheidungen und Vorbereitung ärztlicher Gespräche öffnen.
Quelle öffnenVerlässliche Patienteninformation
Andere Tumorarten, Zweifelsfragen, Informationsprüfung und Weitergabe seriöser Patient:innenquellen.
Auch als Gegenquelle nutzen, wenn Patient:innen KI- oder Internetantworten mitbringen.
Quelle öffnenKI im Gesundheitswesen
Orientierung zu Datenschutz, Validierung, Schweigepflicht und Verantwortung bei KI in der Medizin.
Für die Gesprächsregel: KI-Antworten einordnen, nicht ungeprüft als Entscheidungsgrundlage nutzen.
Quelle öffnenShared Decision Making
Digitale Entscheidungshilfen können Informationen liefern. Psychoonkologie hilft, dass diese Informationen innerlich nutzbar werden: trotz Angst, Erschöpfung, familiärem Druck, Ambivalenz oder dem Wunsch, „einfach gesagt zu bekommen“, was richtig ist.
Der Auftrag ist nicht, medizinisch zu entscheiden. Der Auftrag ist, die Patient:in so zu stabilisieren und zu klären, dass sie im ärztlichen Gespräch wirklich beteiligt sein kann.
Nicht abwerten. Erst fragen: Was haben Sie gefragt? Was hat die Antwort mit Ihnen gemacht? Hat sie beruhigt, gedrängt, Angst verstärkt oder eine Entscheidung nahegelegt?
Dann sauber begrenzen: Keine persönlichen Befunde in offene KI-Systeme eingeben; medizinische Aussagen nicht ungeprüft übernehmen; Therapie-, Prognose- und Sicherheitsfragen zurück ins Behandlungsteam bringen.
Psychoonkologisch interessant ist oft nicht die Richtigkeit der KI-Antwort, sondern was mit der Patient:in dadurch passiert ist: Was war stimmig oder hilfreich? Was hat verunsichert? Welche neue Frage ist entstanden? Wurde aus der Antwort schon eine Handlung, ein Entschluss oder ein Gespräch, oder ist genau dort etwas ins Stocken geraten?
„Welche Entscheidung steht wirklich an? Wer entscheidet worüber? Gibt es medizinisch mehrere vertretbare Wege oder vor allem Informationsbedarf?“
„Was haben Sie bisher verstanden? Was kommt aus dem ärztlichen Gespräch, was aus Internet, App oder KI? Was davon beruhigt, was verunsichert?“
„Wer in Ihrem Umfeld würde welche Option bevorzugen? Was würde Ihre Ärztin sagen, worüber Sie noch zu wenig gesprochen haben? Wer merkt zuerst, wenn die Entscheidung nicht zu Ihnen passt?“
„Auf einer Skala von 0 bis 10: Wie klar ist Ihre Präferenz? Wie stark entscheidet gerade die Angst mit? Was müsste passieren, damit aus einer 4 eine 5 wird?“
„Wenn Option A schiefgeht: Mit welchen Folgen müssten Sie leben? Wer könnte Sie dann tragen? Welche schlechteste Folge wäre noch tragbar, welche nicht?“
„Was soll die App oder Entscheidungshilfe bis zum nächsten Termin leisten: informieren, sortieren, beruhigen, Fragen sammeln? Und was soll sie ausdrücklich nicht entscheiden?“
Praxisnotiz
Es gibt bereits gute Übersichten, besonders die PSO-AG E-Health. Diese Seite will sie nicht ersetzen. Sie übersetzt die Recherche in Gesprächslagen: Was braucht diese Patient:in jetzt, welche digitale Option ist prüfbar, und welche Frage sollte ins nächste psychoonkologische oder ärztliche Gespräch?
Für Teilnehmende der Fortbildung kann sie so zur Arbeitsseite werden: Fall einordnen, Quelle öffnen, SDM-Fragen mitnehmen, Grenzen prüfen.
Qualitätskriterien, Quellenlogik, Leitlinienbezug und Pflegeprotokoll stehen auf einer eigenen Transparenzseite. Dort ist auch festgelegt, wann künftige Aktualisierungen veröffentlicht werden dürfen.
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