Gesprächsführung
Sechs Fragen, die Erschöpfung besprechbar machen
Die Fragen sind als Landkarte gedacht, nicht als Fragebogen. Oft reicht
eine, um aus einem diffusen „Ich kann nicht mehr“ ein gemeinsames Thema zu
machen.
1. Die Erschöpfung beschreiben lassen
Viele Patient:innen haben für ihre Erschöpfung noch keine Worte. Wer nur nach Stärke oder Dauer fragt, bekommt eine Zahl. Wer nach dem Unterschied fragt, bekommt oft eine Geschichte: fehlende Erholung, Konzentrationsprobleme, Rückzug, Reizbarkeit.
Was ist an dieser Erschöpfung anders als an Müdigkeit, die Sie von früher kennen?
2. Müde und schwach unterscheiden
Die S3-Leitlinie Palliativmedizin nennt zwei einfache Screeningfragen. Sie eignen sich auch außerhalb der Palliativsituation, weil sie körperliche Schwäche und Erschöpfung getrennt sichtbar machen und sich im Verlauf wiederholen lassen.
Wie müde sind Sie? Wie schwach sind Sie?
3. Den medizinischen Stand klären
Psychoonkologische Begleitung ersetzt keine Abklärung. Sie hilft aber zu sortieren, was schon geprüft wurde und welche Frage noch ins ärztliche Gespräch gehört.
Was ist medizinisch schon geprüft, und wobei sollten wir noch einmal Rücksprache halten?
4. Den Funktionsdruck ansprechen
Fatigue ist oft mit Scham verbunden. Patient:innen sagen nicht nur „Ich bin erschöpft“, sondern auch „Ich müsste doch langsam wieder funktionieren“. Dort beginnt häufig der eigentliche Arbeitsraum.
Wer erwartet gerade was von Ihnen, und wie viel davon erwarten Sie selbst?
5. Lust und Kraft auseinanderhalten
Fatigue, Schlafstörungen und Depression überlappen sich. Ein grober Hinweis: Bei Fatigue fehlt häufiger die Kraft als die Lust, viele sagen „Ich will ja, aber ich kann nicht“. Das ersetzt keine Diagnostik; bei Hinweisen auf eine Depression gezielt nachfragen.
Wenn Sie die Kraft hätten: Worauf hätten Sie Lust?
6. Die Energie dosieren
Mehr Ruhe hilft nicht immer, ein aktivierender Appell auch nicht. Brauchbarer ist die Frage nach Passung: eine Dosierung, die weder in Schonung erstarrt noch in Überforderung kippt.
Wofür soll die vorhandene Energie heute reichen?